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Aspekte des Buddhismus

Im 6. Jahrhundert wurde der Buddhismus aus China nach Japan geholt und vorübergehend zur japanischen Staatsreligion. Die strengen Hierarchien des klösterlichen Lebens eigneten sich gut, um in den ländlichen Provinzen als langer Arm des zentralistisch regierenden Herrscherhaus tätig zu werden. Noch in der Edozeit (bis 1867) war es Pflicht aller Familien, in einem Tempel gemeldet zu sein und Steuerzahlungen (meist in Form von Reis) zu leisten. Erst die Bodenreform 1946 hob die Tributpflicht der Landbevölkerung auf. Die Klöster verloren damit die Hauptquelle ihres Wohlstands. Sie leben daher heute überwiegend von Spendengeldern aus der Wirtschaft, von Tempelgebühren für Besucher und Einkünften aus religiösen Zeremonien. Eine Kirchensteuer im westlichen Sinn existiert in Japan nicht.

Um zu verhindern, dass der Buddhimus in Japan zur politischen Konkurrenz für das Herrscherhaus werden konnte, beschlossen die japanischen Kaiser eine innere Schwächung des Buddhismus herbeizuführen. Das Prinzip war einfach, aber wirkungsvoll: Durch Import weiterer buddhistischer Schulen aus China entstand innerhalb des japanischen Buddhismus ein Wettstreit um Autorität. Dies verlangte die Konzentration der Kräfte nach innen und erschwerte dadurch eine Einmischung in die Staatspolitik.

Heute existieren fünf große Schulen des Buddhismus in Japan, zuzüglich diverser Splittergruppen und Sonderformen. Für die Anhänger der Nichiren-Schule, der größten Stilrichtung, ist allein schon die Rezitation der Lotussutra seligmachend. Die Jodo-Sekte ist die zweitgrößte in Japan. Sie geht auf den berühmten Mönch Honen (12. Jahrhundert) zurück, der den elitären Anspruch des Buddhismus aufbrach, indem er behauptete, nicht nur 'auserwählte' Mönche hätten die Chance zur Erlösung von der Qual ewiger Wiedergeburt, sondern auch alle einfachen Bürger könnten durch individuelle Anrufung des Amida-Buddhas zum Heil gelangen - und dies sogar ohne jede sonstige Anleitung oder Vermittlung eines Priesters. Der Tendai-Buddhismus, die zahlenmäßig kleinste Schule, lehrt dagegen, dass nur Askese, Ehelosigkeit, die Rezitation der Lotossutra und das Befolgen geheimer Rituale (Esoterik) zur Erlösung führen könne. Aus eben dieser strengen Tendai-Schule kam dann auch der Gründer des Zen-Buddhismus, der Mönch Eisai, der nach ausgedehnten Studienreisen in China den ersten japanischen Zentempel gründete (12/13.Jahrhundert). (Siehe Exkurs: Zen) Die fünfte Stilrichtung, der Shingon-Buddhismus, stellt eine mystisch-esoterische Schule dar, in deren Zentrum ein Lichtbuddha steht.

In den Tempeln aller Stilrichtungen sind stets Buddhastatuen zu finden, die Buddha dann jeweils in einer bestimmten, typischen Körperhaltung zeigen: Eine sitzende Figur, die den rechten Arm erhoben hat, symbolisiert die Geburt Buddhas (der auch Sakyamuni oder Gautama Siddharta genannt wird); eine sitzende Figur in ruhiger Zen-Pose beschreibt den Moment seiner "Erleuchtung" unter einem Baume; ein stehender Buddha erinnert an die Zeit seiner Wanderungen und Predigten. Eine liegende Figur stellt den Todesmoment Buddhas und damit seinen glücklichen Eingang ins erlösende Nirwana dar.

 

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