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Aspekte des Shinto

Als "ursprüngliche" Religion der Japaner gilt das Shinto, der "Weg der Götter".
Eine Vielzahl von Natur- und Ahnengottheiten ("Kami") werden im Shinto durch kultische Handlungen geehrt, darunter vor allem Amaterasu-oumikami, die als Ahnengöttin des japanischen Kaiserhauses gilt. Wichtige Tempel zur Ehrung dieser Gottheit (und des Kaiserhauses) stehen in Ise. Die Shintoreligion erfuhr zwar im 6.Jahrhundert einen empfindlichen Bedeutungseinbruch (durch das Aufkommen des Buddhismus), erlebte aber ab dem 18. Jahrhundert eine erstaunliche Renaissance und wurde in der der Meijizeit sogar zur Staatsreligion erhoben (1870). Im Zentrum des Shinto stehen die japanischen Kaiser ("Tenno"), die noch bis 1945 als lebende Gottheiten verehrt wurden.

Tenno Hirohito war der letzte Kaiser, der diese Verehrung offiziell empfing. 1946 entsagte Tenno Hirohito unter dem Druck der amerikanischen Besatzungsmacht seiner göttlichen Herkunft. Ungeachtet dieses offiziellen Bruchs wird in der shintoistischen Geschichtsschreibung der amtierende Kaiser Akihito (der Sohn von Tenno Hirohito) wieder als 150. unmittelbarer Nachkomme der Ahnengottheit Amaterasu benannt.

Shinto und damit das Kaiserhaus spielten eine entscheidende Rolle bei der Rechtfertigung der japanischen Aggressionskriege in Asien. Shinto-Gottkaiser Hirohito als oberster Feldherr der Japanischen Streitkräfte hatte enormen Einfluss auf Motivierung und Einsatzbereitschaft der japanischen Soldaten. Der im Namen des Gottkaisers erteilte Siegesauftrag rechtfertigte alle kriegerischen Maßnahmen bis hin zu schlimmsten Kriegsverbrechen.

Die neue Verfassung schreibt heute die Trennung von Kirche und Staat verbindlich vor. Dies hindert rechtsradikale Kreise allerdings nicht daran, auch weiterhin einen Gottheitsanspruch des Kaisers lautstark zu beschwören. Die ehrenden Besuche der japanischen Ministerpräsidenten am Yasukuni-Shinto-Schrein, in dem neben den Millionen gefallener japanischer Soldaten auch mehreren als Kriegsverbrecher verurteilten, hohen Militärs gedacht wird, sind regelmäßig Auslöser harscher Proteste jener asiatischen Länder, die unter der japanischen Besatzung besonders zu leiden hatten. Das Nanking-Massaker in China als hier bekannteste Grausamkeit ist in den meisten japanischen Schulbüchern bis heute noch immer als "Zwischenfall" ("the Nanking incident") verharmlost.

Derzeit diskutieren interessierte Kreise der japanischen Öffentlichkeit, der Medien, des Parlaments und des Shinto auffallend  intensiv über das Thema, ob eine Frau den japanischen Kaiserthron besteigen darf. Hintergrund ist das derzeitige Fehlen eines männlichen Nachfolgers für die Kaiserfamilie und die Frage, ob die einzige kaiserliche Tochter durch Änderung der Regularien Kaiserin werden kann, darf und soll.

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