verkehr stadt raum 
klühspies
           
Themen
Aspekte des Zen

Zum Zen-Buddhismus gibt es vielerlei Erläuterungen und Interpretationen. Der hier vorgestellte Erläuterungsansatz stellt lediglich eine persönliche Ansicht des Verfassers dar und ist damit sicher nur eine Interpretation unter vielen. 

Zen-Buddhismus ist eine atheistische Religion, denn sie kennt keinen absoluten Gottbegriff. Zen ist naturalistisch ( = keine Wunder, keine Heiligen), pragmatisch ("Try it, it works!") und anthropozentrisch. Das Weltbild ist ein eher pessimistisches: Leben heißt Leiden, alles ist vergänglich, das 'Ich' ist eine Illusion und "alles ist leer" (= ohne eigene Bedeutung).

Die Grundlage des heute in Japan praktizierten Zen ist die "südliche Schule des Mahayana-Buddhismus", die eine blitzartige Erleuchtung anstrebt. Eine einmal erreichte Erleuchtung bleibt erhalten und führt nach dem Tode ins Nirwana, zum Ende des qualvollen Kreislaufs der Wiedergeburt.

Erleuchtung kann auf verschiedenen meditativen Wegen versucht werden: Die bekanntesten Formen sind die Rezitation der Lotossutra und die Meditation über bestimmte Rätsel (Koans). Zen bedeutet harte Arbeit und ist - entgegen häufig romantisierender Vorstellungen - absolut keine "lockere Entspannungsübung in stilvoller Atmosphäre".



Sutra - Meditation

In der Zen-Meditation mittels Sutren wird ein geistiger Ruhezustand angestrebt, der von allen irdischen Abhängigkeiten frei machen soll.

Dieser Bewusstseinszustand kann bildhaft als ein hoher Berg dargestellt werden, an dem Wolken gemächlich vorbeiziehen: Der Meditierende ist der Berg, er ist unbewegt und interessenlos, er ist sich der Wolken (Gedanken) bewusst, doch unternimmt er keinen Versuch sie festzuhalten oder gar zu beeinflussen. Der Berg lässt die Wolken ziehen - so soll auch der Meditierende seine aus der Tiefe aufsteigenden Gedanken stoisch an sich vorüberziehen lassen, ohne ihnen weiter nachzugehen.



Koan - "Meditation"

Die Meditation mit Koans (Rätsel) geht dagegen einen anderen Weg. Eines der bekanntesten Koans lautet sinngemäß:

"Du kennst das Geräusch, wenn zwei Hände klatschen. Nun sage mir, wie ist das Geräusch, das beim Klatschen einer Hand entsteht."

Eine grundsätzliche Eigenschaft der Koans besteht darin, dass sie sich jeder logisch-rationalen Lösbarkeit (zumindest im westlichen Sinne) absichtlich entziehen.

Der Sinn der Koans scheint nicht in einer inhaltlichen Aussage, sondern allein in ihrer ansgestrebten Wirkung zu liegen: Zusammen mit der asketischen Lebensführung übt die forcierte, fortwährende Meditation über das unlösbare Koan einen so zermürbenden Einfluss auf die Psyche aus, dass der Meditierende psychisch und physisch an einen Punkt völliger Erschöpfung gelangt. In dieser Situation ist der Meditierende so verzweifelt und kraftlos, dass er nur noch Energie für die allerwichtigsten Lebensfunktionen aufbringt. Aus diesem gefährlichen Erschöpfungszustand gelangt er - nach langer Marter- irgendwann plötzlich zu einem rauschhaften Moment, der ihn seine Körperlichkeit überwinden lässt und es ihm erlaubt, sich geistig adlergleich in die Höhe zu schwingen und aus größter innerer Distanz ruhig die Welt zu betrachten. Das Ergebnis ist die völlige Relativierung der eigenen Existenz und die Erkenntnis der Bedeutungslosigkeit des individuellen Seins (Erleuchtung).

An Koans kann aus westlicher Sicht kritisiert werden, dass sie den Bruch der individuellen psychischen Balance bewusst anzustreben scheinen und damit psychischer Folter gleichzusetzen seien.

004533.jpg
© copyright since 1998 Johannes Klühspies jok@kluehspies.de