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Kooperatives Verkehrsmanagement



1.) allgemeine Prinzipien des Konzeptes

Das "Kooperative Verkehrsmanagement" gilt als eine Variante der Verkehrsleitsystem-Konzepte. Es ist populär, weil es den Anspruch erhebt, ÖV und MIV "intelligent" zu verknüpfen.

Das Kooperative Verkehrsmanagement versucht (den Befürwortern zufolge), Autofahrer mittels Verkehrsleitsystemen zu steuern und u.a. auf P&R Parkplätze hinzuführen. Die verfügbaren Parkplätze an den ÖPNV-Bahnhöfen sollen elektronisch angezeigt werden. Dies soll zunächst noch über Hinweistafeln über den Straßen geschehen. In fernerer Zukunft sollen dann die Informationen verstärkt über den Bordcomputer des Kfz angezeigt werden.



2.) zu einigen Wirkungsaspekten des Konzeptes

Aus einer wissenschaftlichen Sicht ist die Frage nach eventuellen Optimierungsmöglichkeiten durch „Kooperation“ nur eine Frage unter vielen.

 Mindestens ebenso notwendig sind beispielsweise Fragen - nach dem Verhältnis von Aufwand und Nutzen (speziell bei der Erzielung von Grenzwert-Erträgen), - nach den ökologischen und sozialen Folgen, - nach dem Menschenbild der Urheber ("Vorrang für Auto oder Mensch?"), - nach Grund und Ursache für steigende Verkehrsbelastung. Da all diese Fragen keine befriedigende Beantwortung finden, kann sich das Kooperative Verkehrsmanagement nicht mit Berechtigung auf eine umfassende Sichtweise (oder gar auf sustainable transport) berufen. Vielmehr wird hier ein (unausgesprochenes) Axiom ("Mobilität ist unverzichtbar") undifferenziert zur Rechtfertigung herangezogen, um ein isoliertes Segment der Verkehrsplanung (Kfz) als dominant und zukunftsentscheidend darzustellen.

Das Kooperative Verkehrsmanagement ist somit ein relativ einseitiges Konzept, das der Sicherung kfz-affiner Interessen weit mehr zu dienen scheint als einer wirklich effektiven Verkehrsabwicklung. Zwar kann die isolierte Planung der jeweiligen Einzelmaßnahmen des Kooperativen Verkehrsmanagements auf den gängigen wissenschaftlichen Standards beruhen. Dies ändert allerdings nichts daran, dass die Ausgangsbasis des Kooperativen Verkehrsmanagements insgesamt eine unwissenschaftliche ist, die zudem stark irrational geprägt scheint und daher im Ergebnis zu unbrauchbaren, unnötigen und irreführenden Aussagen führt. Nicht die Technologien sind daher schlecht oder gar falsch, sondern ihre Anwendung und Kombination ist grundsätzlich fehlgeleitet. Das Kooperative Verkehrsmanagement ist daher in seiner heute favorisierten Form ungeeignet für die nachhaltige Bewältigung der Verkehrsprobleme in den Städten.

Das Problem des Verkehrsgeschehens ist zu wesentlichen Teilen ein Problem der lokalen Zugänglichkeiten. Je besser verschiedene Bedürfnisse (Wohnen, Arbeiten, Bilden) vor Ort befriedigt werden können, desto geringer die Notwendigkeit zu aufwendiger Mobilität. Das Interesse der Stadt- und Verkehrsplanung Münchens wird sich daher grundsätzlich stärker auf die Frage der Zugangsmöglichkeiten konzentrieren müssen.



3.) Erfolgsfördernde Faktoren

Das Konzept des sogenannten Kooperativen Verkehrsmanagements ist veraltet und derzeit ohne relevantes Potential, den Modal Split wesentlich zu verändern.



4.) Pep!

(zur Wirkung psychosozialer Regulationsfaktoren)

Beim Kooperatives Verkehrsmanagement droht eine analoge Situation zum Park&Ride: Das Kfz soll stehengelassen werden, was die Aufgabe aller Chancen zur Befriedigung von Pep!-Nachfragen mittels Kfz bedeutet. Ein eigenes, vertrautes Auto soll verlassen werden (Aufgabe von Privatheit), und statt dessen ein (heute noch) meist unattraktiver ÖPNV gewählt werden.

Es kann nicht als wahrscheinlich gelten, dass der Tausch eines bisher hohen Pep! (beim Kfz) gegen einen vernachlässigten Pep! (beim ÖPNV) große Popularität erlangen kann. Auch der prognostizierbare Pep! erscheint daher schwach.

Auch Technikbegeisterung wird beim Kooperativen Verkehrsmanagement wohl nicht den schwachen, aktuellen Pep! des Konzepts aufbessern können: Kfz-Nutzer wollen vorrangig autofahren und haben wohl kein besonderes Interesse daran, für eine aufwendige Technik zu zahlen, die sie aus dem Kfz herausholen will (wenn auch erst zum letztmöglichen Zeitpunkt). Technik, die nicht den Autofahrern und ihren Pep!-Nachfragen dient, ist für Kfz-Nutzer uninteressant. Der Pep! bleibt daher gering.

Kfz-Leitsysteme (einschließlich Kooperatives Verkehrsmanagement) stehen insgesamt in deutlichem Widerspruch zu den Pep!-Nachfragen der Nutzer. Das Pep!-Angebot ist bleibend gering.

Das Kooperative Verkehrsmanagement ist zudem als ein Sonderfall der Kfz-Leitsysteme zu verstehen, dem - bei noch geringer rationaler Eignung - auch jener Pep! fehlt, den ‘einfache’ Kfz-Verkehrsleitsysteme heute noch aufweisen. An Nutzer des ÖPNV oder des Fahrrades wenden sich diese Leitsysteme nicht. Pep!-Nachfragen bleiben hier völlig unberücksichtigt. Die Pep!-Angebote sind daher ebenfalls schwach.

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