Realisierungsbarrieren - Wege zu ihrer Überwindung
Interventionsprogramme - Beispiel urbane Mobilität

Sieben neuralgische Punkte

Einer Verwirklichung zukunftsweisender Stadtverkehrskonzepte (z.B. ÖPNV-Priorisierung) stehen Barrieren entgegen, die in geeigneter Weise überwunden werden müssen.
Diese Hindernisse lassen sich wie folgt zusammenfassen:

  1. die massive, oft exzessive Forderung der Bürger nach rascher, effektiver Befriedigung ihrer psychosozialen Regulationsbedürfnisse , zusammen mit dem generell vorherrschenden Unwillen, sich mit "zweitklassigen Alternativen" für eine Befriedigung zu befassen;

  2. die weitgehende emotionale Gewöhnung an die heute bestehenden, attraktiven psychosozialen Regulationspotentiale ( Pep! ) des Kfz;

  3. die aus zunehmenden Zukunftsängsten resultierende Angst-Handlungsblockade bei Teilen der Bevölkerung, welche hier die Bereitschaft zu Experimenten mit neuen Verhaltensformen stark hemmt;

  4. die (objektiv) nahezu unerhebliche Wirkung eines isolierten, individuellen Alternativverhaltens und die daraus entstehende Demotivierung, sich zukunftsorientierter zu verhalten;

  5. die heute vorherrschenden, kfz-stützenden Ideologien;

  6. ein von betriebswirtschaftlichem Denken geprägter Lobbyismus zugunsten des Kfz sowie

  7. der Mangel an realistischen (Mobilitäts-)Visionen und attraktiven (Mobilitäts-) Ideologien sowie ein Defizit an langfristig orientierten Marketingstrategien.

Diese Barrieren verhindern insgesamt nachdrücklich, dass sich ein breites Interesse an zukunftsweisender Mobilitätspolitik entwickeln kann und können als die "sieben neuralgischen Punkte" der Realisierung von Verkehrskonzepten gelten. Sie entscheiden (basierend auf einer rational-verkehrsplanerischen Konzept-Eignung) wesentlich über die jeweiligen langfristigen Erfolgs- und Zukunftschancen.

 



Wege zur Überwindung der Barrieren


Bei der Gestaltung von Verkehrskonzepten wird es realistisch vor allem um eine tendenzielle Annäherung der stark unterschiedlichen psychosozialen Regulationspotentiale (Pep!) von ÖPNV und Kfz gehen, mit dem Ziel, dem Bürger ein Wechseln von Kfz zum ÖPNV zu erleichtern und nahezulegen.
  • Der ÖPNV sollte generell so attraktiv wie möglich werden -

  • das Kfz sollte dagegen nur dort unattraktiver werden, wo dies sinnvoll erscheint.

Die Grundlage für die Entscheidung bildet die UNterscheidung zwischen notwendigem und substituierbarem Kfz-Verkehr.

Weil die Pep!-Angebote von Verkehrskonzepten meist nur für stark begrenzte Bevölkerungsgruppen wirksam sind (z.B. die Pep!-Angebote der ÖPNV-Priorisierung fast ausschließlich nur für ÖV-Nutzer), ist es notwendig, effektive Handlungswege zu entwickeln, welche die Wirkung der Pep!-Angebote des ÖPNV ausweiten und auch für neue Nutzergruppen erschließen. Interventionsprogramme bieten sich hierfür als eine mögliche Handlungsstrategie an.

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Wer Realisierungsbarrieren versteht, findet auch Wege, drohende Konflikte zu umgehen.