Stadtentwicklung und Wirtschaft

Aspekte der Stadtentwicklung

Der sentimentale Wunsch, zumindest in Kyoto die japanischen Traditionen am Leben zu erhalten, bewirkte in den 60er Jahren eine Stagnation der Stadtentwicklung. Kyoto, das (als vorgesehenes Ziel für eine weitere Atombombe) dem amerikanischen Luftkrieg nur Dank des mutigen Einsatzes eines US-Generals völlig unzerstört entkam, wurde einem großen Freiluftmuseum immer ähnlicher - während sich die Konkurrenzstädte Osaka und Tokyo im wirtschaftlichen Boom der Nachkriegszeit neu entfalteten.

Mitte der 70er Jahre befürchteten manche Stadtpolitiker, dass Kyoto zu einer Stadt ohne Zukunft zu verkümmern drohte, die den Anschluß an die neue Zeit verpasse. Überstürzt versuchte man eine Revitalisierung, Sanierung einzuleiten. Prestigeobjekte wurden gebaut, um die Fähigkeit zur Moderne zu demonstrieren:
Kyoto bekam eine moderne U-Bahnlinie, der Kyoto Tower entstand, die Architektur zentraler Plätze wurde aufgemöbelt und die Hauptgeschäftsstraßen überdacht. Die oft verschobene Neugestaltung des Hauptbahnhofs (Shinkansen)  zu einem hypermodernen, kathedralenartigen Gebäude wurde realisiert - trotz erheblicher Bürgerproteste gegen den massiven Betonklotz, der sich in Ost-West-Richtung nun als Riegel quer über die Nord-Südachse der Stadt legt...

Trotz aller Modernisierungsanstrengungen bleiben es jedoch weiterhin die klassischen Wirtschaftszweige, die das Image Kyotos prägen: Seiden-Kimono-Handel und Brokatweberei, Steingut und Porzellanmanufaktur, religiöse Gebrauchskunst, Lackarbeiten, Puppen, Konferenz-, Hochzeits- und Unterhaltungsindustrie, Bildungswesen Souvenirhandel, Wasabi-Papier-Produktion, Sake-Produktion etc.

Die 1,5 Mio.-Einwohner-Stadt ist weiterhing attraktiv sowohl für Wohnen, Freizeit als auch Bildung und gilt daher bei Japanern als Wunschwohnort No.1.